Bodycount

April 5, 2004 Aus Von Stefko

Heidenei, sie kocht mal wieder, die Volksseele. 14 Tote (in Worten vierzehn) in einem Tatort und das Dummvolk dreht mal wieder hohl – allen voran natürlich das Zentralorgan der organisierten Verblödung, die Bildzeitung. Dicht gefolgt von einer Figur, die durchaus in der gleichen Liga kickt – Peter Gauweiler. Da ist die Rede von „Skandal“, „einem schleichenden Prozess der zunehmenden Gewaltdarstellung“ blafassel, blafassel … es werden „Experten“ wie Horst „Derrick“ Tappert oder Jan Josef Liefers zitiert…
So eine Diskussion hätte ich heute wirklich nicht mehr für möglich gehalten, aber sie offenbart einmal mehr die hier vorherrschende Doppelmoral. In jedem durchschnittlichen Ami-Actionstreifen springen wahrscheinlich fünf mal soviele über die Klinge, aber solange das alles eben mit der entsprechenden Portion Action verpackt ist – soviel, daß auch der dümmste Couchpotatoe durchschaut, daß es sich hierbei um einen Film handelt, ist die Fernsehwelt in Ordnung. Aber in einer gut teutschen Institution wie dem Tatort, gehört sich sowas einfach nicht, Pfui. Und wenn der dann auch noch mit Themen wie Kindesmissbrauch und Satanismus daher kommt, dann ist gleich wieder die Rede vom „guten Geschmack“.
Ich habe den Bremer Tatort „Abschaum“ gestern gesehen und fand ihn (ohne der große Tatort-Experte zu sein) spannend und packend. Es war harter Stoff, keine Frage. Das lag aber nicht an den zehn Satanisten, die in den letzten fünf Minuten zu ihrem Meister geschickt wurden, sondern an der Gesamtthematik – Missbrauch, Satanismus, wütender Mob gegenüber Behinderten-Wohneinrichtung… Hier wurde gewagt ein heißes Eisen anzupacken und allein deswegen hat es dieser Tatort nicht verdient von sogennaten Zensoren Medienwächtern auf eine einzige Zahl reduziert zu werden.
Ganz abgesehen davon, daß der Fernsehfilm beim Publikum zwar auf gemischte, aber wohl zum großen Teil positive Resonanz stieß.
Vielleicht ist das Fernsehvolk doch nicht so doof, wie manche es gerne hätten…
[mehr: Spiegel Online]